Verhaltenstherapie ist eine der 20 in Österreich anerkannten Therapierichtungen. Was also zeichnet genau die Verhaltenstherapie aus und was ist unser Verständnis von Psychotherapie? Die Antworten auf diese Fragen möchten wir Ihnen mithilfe der Bergsteiger- Metapher näher bringen:
Wenn sich Probleme anhäufen, so können sie unüberwindbar wie ein Berg wirken. Es kann einige Zeit dauern bis man sich entschließt den Berg zu erklimmen. Man kennt den Weg nicht, man weiß nicht, welche Ausrüstung man braucht und oftmals weiß man auch nicht genau, was man erreicht, sobald man den Berg überwindet. Hierbei kann es helfen, wenn ein Bergführer den Wanderer auf seinem Weg begleitet. Auch in der Therapie steht der Therapeut unterstützend zur Seite. Gemeinsam wird zuerst die Beschaffenheit des Berges untersucht, also das Problem auf seine Komponenten hin analysiert. Danach wird die Ausrüstung überprüft - für welche Hindernisse ist der Wanderer gewappnet und gut vorbereitet, also welche Ressourcen stehen zur Verfügung, welche Stärken sind vorhanden. In einem nächsten Schritt wird der Weg oder auch die unterschiedlichen Routen festgelegt - welche Teilziele sollten gesteckt werden, welche Hindernisse wollen zuerst überwunden werden. Der Bergführer kann dem Wanderer hierbei unterstützend zur Seite stehen - jeder Wanderer muss den Weg allerdings alleine gehen. Dies kann kräftezerrend sein. Es kann auch vorkommen, dass der Wanderer wieder umkehren möchte. Es ist unter anderem auch die Aufgabe des Bergführers, den Wanderer wieder zu motivieren, das Ziel, sowie das bisher geschaffte wieder vor Augen zu führen. Unterwegs kann es vorkommen, dass sich das Ziel ändert oder überraschende Hindernisse auftauchen. Das Tempo kann nur der Wanderer nach seinen eigenen Kräften bestimmen. Er bestimmt auch, welche Hindernisse wann angegangen werden. Ziel ist es, dass der Wanderer seinen Gipfel in seinem Tempo mit seinen eigenen Kräften erreichen kann. Auf dem Weg und am Ziel angekommen kann er stolz auf seine Erfolge zurückblicken.
In der Verhaltenstherapie gehen wir davon aus, dass Verhalten Konsequenzen hat, ganz nach dem Motto "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (Henry Ford). Wir nehmen an, dass Verhalten im Laufe des Lebens beeinflusst durch biografische Ereignisse und Erfahrungen erlernt wurde. Deshalb gehen wir auch davon aus, dass Verhalten auch wieder verlernt und neue Verhaltensweisen gelernt werden können.
Um die Konsequenzen der Verhaltensweisen verstehen zu können, ist uns wichtig die verschiedenen Ebenen von Situationen zu betrachten - Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Verhalten. Diese Ebenen sind eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Ziel der Verhaltenstherapie ist es, diese Ebenen von Situationen zu verstehen und lernen, sie zu beeinflussen.
Diese Aspekte der Verhaltenstherapie bedeuten auch, dass die Therapie von der Umsetzung des Verstehens von Problemen profitiert. Probleme werden hierbei als Signal dafür verstanden, dass etwas nicht stimmt. Gemeinsam wollen wir herausfinden, welche Faktoren beeinflussend wirken, um anschließend mithilfe konkreter Strategien diese Faktoren ändern zu können. Die Verhaltenstherapie ist also umso wirksamer, desto mehr von den erarbeiteten Methoden im Alltag Platz finden.
Ich freue mich, mit Ihnen Ihren Weg auf den Gipfel zu finden!